Flaschen Dekoration


Glashütten können nur spezielle Glasfarben produzieren (weiß, braun, grün, blau in verschiedenen Abstufungen und selten auch rot). Um den steigenden Anforderungen der Verpackungsdekoration am Markt gerecht zu werden wurden verschiedene Verfahren eingesetzt um Flaschen zu dekorieren.

Man unterscheidet:

  • a.) abtragende Dekoration - Verfahren - die Glasoberfläche wird komplett oder teils abgetragen
    1. Gravur
    2. Sandstrahltechnik
    3. Säuremattierung
       
  • b.) auftragende Dekoration - Verfahren - eine Beschichtung oder Druckfarbe wird auf die Glasoberfläche aufgebracht
    1. organische Pulverbeschichtung
    2. organische Nasslackbeschichtung
    3. keramische Beschichtung
    4. organischer Siebdruck
    5. keramischer Siebdruck

Man unterscheidet folgende abtragenden Dekorations- Verfahren:

  1. Gravur: Mit einem diamantbesten Schleifgerät - oder mit neuerer Technik, der Lasergravur - werden Buchstaben oder Motive ca. 1mm tief in die Flaschenoberfläche graviert. Anwendung meist für individuelle Anlässe (Beispiele: http://www.gravuratelier.de)
  2. Sandstrahltechnik: eine mechanische Mattierung - das zu erstellende Motiv wird zunächst auf eine ausgesparte Trägerfolie gedruckt. Anschließend wird diese als Maske auf die Flasche aufgesetzt und in einer Sandstrahlpistole mit Spezialsand besprüht. Hierbei wird die Glasoberfläche an der ausgesparten Stelle aufgeraut und ein Motiv entsteht. Das Verfahren funktioniert in 100% Handarbeit - Einzelstück und Kleinserien sind möglich.
  3. Säuremattierung: Mit der Säuremattierung kann die Oberfläche des Glases matt gestaltet werden. Hier wird in einem streng nach Rezeptur gemischten Säurebad die Oberfläche chemisch mattiert. Dieses Verfahren unterliegt hohen Umweltauflagen und ist nur bei größeren Mengen realisierbar. Häufig findet man dieses bei spanischen Cava-Flaschen. Beispiel: http://www.glasmuseum.at

Man unterscheidet folgende auftragende Dekorations- Verfahren:

  1. organische Pulverbeschichtung: zunächst muss die von der Glashütte aufgebrachte Kaltendvergütung mit heißer Flamme bearbeitet werden um eine Vernetzung der Pulverbeschichtung zu ermöglichen. Annschließend werden die Glasflaschen kopfüber auf ein Spindelsystem gesetzt und kontrolliert auf eine Temperatur von ca. 240 Grad erhitzt. Anschließend wird im elektrostatischen Verfahren in einer Sprühkabine spezielles, eingefärbtes, organisches Pulver vollflächig aufgesprüht. Es sind fast alle Farbtöne und auch Metalleffekte möglich. Die Pulverbeschichtung ist ca. 150my dick, in transparent, transluzent und opak möglich und gut mechanisch belastbar. Nachteile sind Plastikhaptik und fehlende Mehrwegtauglichkeit.
  2. organisch Nasslackbeschichtung: ebenfalls muss zunächst die Kaltendvergütung von der Flasche entfernt werden. Die Temperaturkurve und die vollflächige Aufbringung sind ähnlich der Pulverbeschichtung. Der Unterschied besteht darin, dass Nasslack deutlich dünner auf die Flasche (ca. 40my) aufgebracht wird, dieses hat zum Vorteil, dass die Hapitk des Glases -deutlich mehr als bei der Pulverbeschichtung - erhalten bleibt. Nachteile sind erhöhte Anfälligkeit gegen mechanische Belastung und fehlende Mehrwegfähigkeit. Ebenso sind aufgrund der geringen Materialstärke deckende Farben nur schwer erzielbar.
  3. Keramische Pulverbeschichtung: hier wird die Flasche kontrolliert auf ca.650 Grad erhitzt und anschließend mit Pulver (einem Gemisch aus eingefärbtem Glasmehl) besprüht. Durch die hohe Glastemperatur geht das Glasmehl mit Flasche eine feste Verbindung ein. Vorteile hierbei sind eindeutig die Mehrwegfähigkeit und die fast uneingeschränkte mechanische Belastbarkeit. In der Farbgebung ist das - energieaufwändige - Verfahren auf transluzente und deckende Farben welche aber nicht so brilant wie bei den organischen Farben dargestellt werden können, eingeschränkt. (http://www.deco-glas.de)
  4. organischer Siebdruck: Ein Motiv - bestehend aus verschiedenen Farben - wird zunächst graphisch zerlegt und jede Druckfarbe separat auf eine Folie gedruckt (übereinandergelegt ergeben diese Farben wiederum das zu druckende Motiv). Nun erfolgt die Belichtung. Ein druckmaschinenkompatibles Rahmengestell wird mit einem speziellen Siebtextil bespannt (jeweils immer eins pro später zu druckender Farbe - z.B. 6 Druckfarben = 6 Siebtextile), hierauf wird nun die Druckfolie aufgelegt und in einem Apparatur belichtet. Dort wo die Folie aufgelegen hat, ergeben sich nach der Belichtung Poren im Drucksieb. Nun werden die verschiedenen Drucksiebe in die Druckmaschine eingelegt und jeweils mit einer Druckfarbe befüllt. Die Flasche läuft nun im immer gleichbleibenden Radius an den verschiedenen befüllten Farbstationen vorbei und die Druckfarbe wird Station für Station mittels einem Rakel durch die belichteten, offenen, Siebporen auf die Flasche gedruckt, so entsteht nach und nach das Komplettmotiv. Eine Trocknung dieser Farben erfolgt mittels starker UV-Strahlung. Vorteil ist die brilanz der Farben, nachteilig gewertet wird die fehlende Möglichkeit Gold bzw. Silber darzustellen und die fehlende Mehrwegfähigkeit
  5. keramischer Siebruck: Die Vorbereitungsphase ist ähnlich des organischen Siebdrucks, allerdings wird hier die Glasflasche auf über 650 Grad erhitzt und die Siebstationen mit einer Farbe aus gemahlenem Glasmehl bedruckt. Da bei 650 Grad die Oberfläche der Glasflasche aufnahmefähig ist, verbindet sich das Glasmehl fest mit der Glasoberfläche, ebenso können Echtgold oder Platin verarbeitet werden. Insbesondere hochwertige Spirituosen z.B. Wodkas werden so dekoriert. Die Farben geben eine sehr gute Qualität wieder und sind mehrwegfähig, allerdings nicht ganz so glänzend wie organische Farben

Autor: Jens Heil, www.flaschenland.de



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